Bildbearbeitung in der Hundefotografie

Aktualisiert: 25. Nov 2019

Ich hab wirklich lange überlegt, ob ich zu diesem Thema einen Blog schreibe oder nicht. Tatsächlich habe ich auch schon mehrmals angefangen zu schreiben und hab's dann doch wieder verworfen. Bildbearbeitung in der Fotografie ist halt wirklich ein viel diskutiertes Thema- ja, fast schon ein Glaubenskrieg. Im Prinzip könnte man mehrere Bücher mit diesem Thema füllen. Deswegen werde ich mich hier auch nur auf einen kleinen Teilbereich konzentrieren. Ich hab mir zu diesem Thema auch noch ein paar Eindrücke von bekannten Fotografen geholt, die zu diesem Thema auf YouTube auch Videos veröffentlicht haben. Auf diese werde ich auch im Verlauf immer mal wieder Bezug nehmen.



Wie einige sicher schon in meiner Vita oder in meinem Blog zum Thema "Mein "(Um)-weg zur Fotografie" gelesen haben, kam bei mir zuerst der Kontakt zur Bildbearbeitungsoftware Adobe Photoshop und dann erst die aktive Fotografie. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bildbearbeitung nach wie vor einen sehr großen Stellenwert innerhalb meiner Tätigkeit als Fotograf einnimmt.

Die Bildbearbeitung als solches, wird natürlich sehr unterschiedlich wahrgenommen innerhalb der Fotografieszene. Für die einen ist es Mittel zum Zweck, andere sind komplette Puristen , die am liebsten ihre Fotos gar nicht bearbeiten wollen und dann gibt's eben solche wie mich, die die Bildbearbeitung einfach lieben. Man könnte es drastisch ausdrücken indem man sagt, dass viele der Puristen in der Bildbearbeitung eine Art "Doping", wie im Sport und daraus resultierend einen Betrug sehen. Es gibt sicher auch noch genügend Meinungen, die irgendwo zwischen den Genannten liegen.

Wenn man das Ganze historisch betrachtet, ist die Bildbearbeitung aber im Prinzip fast genauso alt wie die Fotografie selbst. Auch in den Zeiten der analogen Fotografie wurde in der Dunkelkammer an Fotos herumgetrickst und manipuliert. Umsonst sehen die Symbole vom Abwedler -und Nachbelichter-Werkzeug in Photoshop nicht so aus, wie sie eben aussehen. Das hat tatsächlich einen historischen Hintergrund. Auch damals wurde diese Technik schon benutzt- nur eben analog mit Schablonen etc. in den Fotolaboren.

Heute wird dies eben in digitaler Form in den Programmen fortgeführt und erweitert. So wie die analoge Fotografie der digitalen Fotografie mittlerweile weit überlegen ist, so sind es diese Programme eben auch den damaligen Techniken.


Vielerorts liest man ja heute, dass das Foto aus der Kamera praktisch schon "fertig" und "perfekt" sein soll. Natürlich – da gehe ich auch absolut mit, allerdings nur aus technischer Sicht betrachtet. Das Foto sollte scharf sein, die Bildkomposition sollte stimmen, die Freistellung sollte passen etc. pp. Doch selbst wenn das alles stimmt, muss man sich berechtigt die Frage stellen, wo die Bildbearbeitung eigentlich anfängt. Wenn man es ganz penibel betrachtet, ja schon bei der Wahl des Objektivs, den gewählten Einstellungen, wie Blende, Verschlusszeit , Bildausschnitt etc. Selbst dies ist ja schon eine Manipulation des tatsächlich mit dem Auge Wahrgenommenen.

Auch sollte man die unterschiedlichen Disziplinen der Fotografie separat betrachten . So ist in der dokumentarischen und journalistischen Fotografie nur wenig bis gar kein Spielraum für die Bildbearbeitung. Denn durch kleinste Manipulationen an den Fotos können hier ganze politische Sachverhalte entfremdet, falsch dargestellt oder eben manipuliert werden.

Gerade auch die sozialen Netzwerke, wie Instagram und Facebook haben da großen Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Dort sieht man ja extrem schöne Fotos aus den verschiedensten Disziplinen der Fotografie, bei denen man sich eben irgendwann fragt:

Wie viel ist hier reine Fotografie und wie viel ist nachträglich am Rechner bearbeitet?

Der springende Punkt hierbei ist folgender:

Es ist ähnlich wie in der Magie. Man WILL sich im ersten Moment von der Schönheit verblüffen lassen. Man WILL wunderschöne und einzigartige visuelle Eindrücke aufnehmen. Im ersten Moment ist einem das egal, wie es entstanden ist – es ist "Eye Candy" – Zucker für die Augen. Zumindest ist das bei mir so und so kam ich letzten Endes auch zur Fotografie, speziell zur Hundefotografie. Als ich mir meinen Traum einer eigenen Spiegelreflexkamera erfüllen wollte, sind mir schon bei Suche nach der richtigen Kamera und Objektiven bestimmte Fotografen mit ihren Bildstilen aufgefallen. Um hier ein paar Beispiele zu nennen: Natalie Große, Ria Putzker und Anne Geier.

Mein erster Gedanke war damals einfach nur : "WOW! Solche tollen Fotos möchte ich irgendwann auch machen können!". Wie viel Post Processing dahinter steckt ,war mir ehrlich gesagt im ersten Moment egal. Sie waren und sind auch heute noch für mich Vorbilder. Genau an dieser Stelle - dem Beginn des aktiven Fotografierens - hat jeder eben eine gewisse Vorstellung und eigenen Anspruch, wie die eigenen Fotos aussehen sollen. Dies beeinflusst natürlich im weiteren Verlauf auch maßgeblich, wie sehr man die Fotos bearbeitet oder nicht. Hin und wieder haben die oben genannten Fotografen auch sogenannte B&A's gezeigt. Ausgeschrieben steht das für "Before & After". Also ein Vorher-Nachher-Vergleich, bei dem man sieht, was der "Fotograf" aus dem Foto gemacht hat. Ich hab den Begriff Fotograf jetzt mal bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn ich denke hier fängt oft die Diskussion an und viele Leute sind dann enttäuscht zu sehen, wie viel im Prinzip am Computer gemacht wurde und eben nicht direkt aus der Kamera kam.

Man hat nicht selten das Gefühl, dass man bei einigen Leuten dadurch in solchen Fällen als "Fotograf" in Ungnade fällt, abgewertet wird bzw. seine Fotos nicht mehr so viel Anerkennung bekommen.

Das finde ich immer ziemlich schade, muss ich sagen, denn eins sollte man sich bewusst machen. Als Fotograf gehört man ebenfalls wie Zeichner, Maler, Composer oder Videographen zu denjenigen, die kreativ sind und kreativ arbeiten. Einfach gesagt - man ist auf eine gewisse Art und Weise auch als Fotograf ein Künstler.

Warum sollte denn jemand, der gut fotografieren kann, nicht auch sein volles Potential in z.B. Photoshop ausschöpfen dürfen? Sicherlich ist es auch mal für die eigene Kreativität förderlich, wenn man bewusst mit Restriktionen arbeitet, wie z.B. nur eine Brennweite über einen gewissen Zeitraum zu nutzen oder eine zeitlang nur in schwarz-weiß fotografiert. Ich sehe aber in jedem Foto, sei es technisch noch so gut aufgenommen, das Potential seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Eine Art Rohdiamant (Foto im Raw-Format) , der noch geschliffen werden muss. Das ist letzten Endes auch das, was die unterschiedlichen Stile ausmacht. Was ist verkehrt daran ein Foto bewusst künstlerisch wirken zu lassen?

Wenn ich mich mal nur auf die Tier- bzw Hundefotografie beziehe, fällt vor allem eins auf:

Die erfolgreichsten und auch international bei Fotografie-Wettbewerben ausgezeichneten Fotografen bearbeiten ALLE ihre Fotos! Ohne Ausnahme! Der eine mehr, der andere weniger. Regine Heuser ist für mich so ein Beispiel für einen sehr natürlichen Bildstil. Ria Putzker, Natalie Große etc. sind da als Gegenbeispiel zu nennen. Beides hat seine Daseinsberechtigung und die Kunden suchen sich hier auch bewusst den Fotografen heraus, deren Stil ihnen am meisten zusagt. Da ist natürlich jeder anders. Aber auch die natürlichen Fotos einer Regine Heuser entsprechen nicht zu 100% dem, was das menschliche Auge wahrnimmt. An dieser Stelle nochmal der Verweis darauf, wie wir schon das natürlich Wahrgenommene durch die Wahl des Equipments "manipulieren".

Im RAW-Format aufgenommen, MUSS jedes Foto dann aber bearbeitet werden. Und seien es auch bloß kleinere Anpassungen und Retuschearbeiten, wie Kontrast, Helligkeit, Nachschärfen oder den Hund von Schmutz befreien.

Letzten Endes zählt das Ergebnis. Darauf und auf nichts anderes schauen nicht nur die Kunden sondern eben auch die potentiellen Follower in den sozialen Netzwerken. Den meisten ist es nunmal egal, wie das "Bild" zustande kommt.

Vielleicht stoßen sich auch einige an den Begrifflichkeiten und sind der Meinung, dass ein Fotograf eben seine größte Arbeit durch eben das Fotografieren verrichten sollte und eben nicht durch die Bildbearbeitung. Jetzt bringe ich aber gerade im Bereich der Tier- bzw. Hundefotografie und sicher auch im Bereich Wildlife den Faktor Glück mit ins Spiel. Bei Tieren, die sich eben nicht immer perfekt hinstellen lassen und immer ein Minimum an Bewegung aufweisen, ist es eben nicht möglich sich für manche Fotos viel Zeit zu lassen, wie z.B. in der Landschaftsfotografie, wo man für ein besseres Foto direkt aus der Kamera , z.B. noch Filter verwenden kann. Diese bringen nunmal in der Hundefotografie nicht viel. Ich kenne persönlich niemanden, der damit regelmäßig arbeitet.

Als konkretes Beispiel nehme ich jetzt mal die Actionfotos. Hier kommt es schonmal vor, dass ich auch mal ein Gesicht eines Hundes austausche.



Wann mache ich das?

Nun, z.B. kommt dies vor, wenn ich eine Serie an Actionfotos aufnehme und mir gefällt von einem Foto die dynamische Bewegung des Hundes sehr gut, aber der Fokus ist verrutscht. Sehr dynamisch und sportlich wirken z.B. immer Aufnahmen in der "Flugphase" - also wenn der Hund im Rennen mit allen vier Pfoten in der Luft ist. Wenn ich aus der gleichen Serie kein anderes Foto mit eben dieser Bewegung habe, versuche ich natürlich erstmal den Hund noch mehrfach rennen zu lassen. Aber der Hund hebt eben nicht nochmal so schön vom Boden ab. Was ich dann mache ist, wenn ich zuhause am Rechner bin, zu schauen, ob ein anderes Foto im Kopfbereich scharf ist und passen könnte. Somit könnte man solche Fotos auch als eine Art "Ersatzteillager" bezeichnen. Daher lösche ich bewusst einige Fotos eines Shootings eben nicht, da man sie eventuell zum Ausbessern gebrauchen könnte.

Nun stellt sich die Frage: Ist das eben noch Fotografie oder bin ich dann schon ein "Composer" oder "Fotokünstler" oder wie man es sonst noch nennen möchte. In beiden Fällen benutzt der Künstler das Medium des Fotos als Grundmaterial seiner Arbeit. Also ja, sicherlich bin ich dann eben auch ein Stück von beiden. Bin ich aber dann auch nicht trotzdem auch Fotograf bzw. ist es zuviel des Guten zu sagen, dass man einfach beides auf einmal ist und beides gut beherrscht? Ich sage für mein Empfinden "Nein", denn wer hier versucht klare Grenzen zu ziehen, wird irgendwann scheitern und sich selbst im Weg stehen. Diese Grenzen verschwimmen nämlich in der heutigen Zeit immer mehr, ähnlich wie in der Musik. HipHop verschwimmt immer mehr mit Pop und elektronischen Einflüssen. Und es wird heute trotzdem als HipHop akzeptiert. Natürlich wird es immer Traditionalisten geben. Denkt mal an die analoge Fotografie. Die wird heute immer noch praktiziert. Der Prozentsatz derer, die es machen, wird eben nur geringer. Mit einem Blick in die Zukunft wird es der DSLR, also digitalen Spiegelreflexkamera, ähnlich ergehen. Diese wird nicht völlig verschwinden, aber sie wird mehr und mehr abgelöst durch die spiegellosen Systemkameras. Einer Sache kann man sich daher bereits heute gewiss sein. In diese wird auch mehr und mehr Software rein gepackt werden, die eine Bearbeitung schon rein aus der Kamera ermöglicht. Dies ist ja schon in abgespeckter Form mit den heutigen Kameras durch bestimmte Bildstile und Farbspielereien kameraintern möglich. Dies wird noch krassere Ausmaße annehmen, wenn eben Software und Algorithmen in die Kameras implementiert werden, die heute schon in den moderner Smartphonekameras arbeitet. Eine zunehmende Verschmelzung ist hier in Zukunft sehr wahrscheinlich.

Es wird nicht wenige geben, die deswegen jetzt schon den Niedergang der Fotografie prophezeien , wenn dieser für eben jene nicht sogar schon stattfindet.

Aber wie gesagt: Das Resultat und nur das Resultat zählt. Darauf schauen wir nunmal im ersten Moment, egal wie es entstanden ist - Follower, potenzielle Kunden, oder den, der es kreiert hat, nun bezeichnen mag. Zudem bleibt die Fotografie eben auch nicht stehen und entwickelt sich weiter. Ja, es wird einem zwar einfacher gemacht gute Fotos zu machen, aber dadurch ergeben sich eben auch komplett neue Möglichkeiten.

Also:

Lasst uns kreativ sein und diese Möglichkeiten nutzen und nicht nur den "guten alten Zeiten" hinterher trauern, denn…

...Früher war gewiss nicht alles besser...

Aber…

... manche Dinge werden ihren Charme eben nie verlieren.

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