Das Canon EF 300mm f/4L IS USM in der Hundefotografie

Seit Anfang Februar diesen Jahres habe ich das große Glück in Kooperation mit dem Kamera- und Objektivhersteller Canon diverse Kameras, Objektive und anderes Fotografie- equipment über mehrere Wochen testen zu dürfen. Ziel dieser Kooperation soll es vor allem sein, mit der mir zur Verfügung gestellten Technik im Bereich der Hundefotografie Erfahrungen zu sammeln und diese mit euch zu teilen. Dabei beschränke ich mich nicht nur auf Kameras oder Objektive, die oft für diesen Bereich der Fotografie von (Semi)Profis empfohlen werden sondern ich werde auch Dinge ausprobieren, die auf den ersten Blick vielleicht nicht auf Anhieb in Verbindung damit gebracht werden, wie z.B. ein Weitwinkelobjektiv oder weniger populäre Kameramodelle. Wichtig ist mir, dass für jeden etwas dabei sein soll. Sowohl für Einsteiger, Fortgeschrittene als auch Profis. Auch die verschiedenen Preissegmente sollen näher beleuchtet werden und auf die Tauglichkeit in der Hundefotografie überprüft werden. Muss es also immer gleich eine Profikamera und/ oder -objektiv sein? Wie schlagen sich günstigere Modelle beim Fotografieren von Hunden? Den Anfang machte nun das Canon EF 300mm f/4L IS USM, welches ich den Februar über testen durfte. Zu allererst aber mal ein paar Eckdaten zum Objektiv:

Kaufpreis: Neu ~1300€/ gebraucht ~700€ Markteinführung: Dezember 1991 Gewicht/ Baulänge: 1165 g / 21,4 cm Naheinstellgrenze: 150 cm Lieferumfang: Objektiv; Schutzdeckel; Objektivköcher; Gebrauchsanleitung Warum kam das Objektiv nun für mich in Frage und was wollte ich explizit damit testen? Mehrfach habe ich schon in Büchern über Tier- und/oder Hundefotografie gelesen, dass zwar Brennweiten von 50-200mm am besten geeignet sein sollen. Ein 300mm Objektiv findet aber auch hin und wieder seine Beachtung und wird vor allem in Bezug auf Actionfotos erwähnt. Nun gibt es neben diesem Objektiv noch eine Variante mit einer Offenblende von

f/2.8. Ich selbst besitze vor allem Festbrennweiten, die allesamt sehr lichtstark sind und nur ein Zoomobjektiv mit einer durchgehenden Blende von f/2.8 . Eine Festbrennweite mit einer Offenblende von "nur" f/4 kam für mich als Anschaffung für mein Objektivfuhrpark nicht wirklich in Frage. Zu groß waren die Bedenken über ein nicht zufriedenstellendes Bokeh bzw. Freistellung des Hundes. Ich bin froh, dass mir Canon die Gelegenheit gab dieses Objektiv zu testen, denn dadurch wurden einige persönliche Irrtümer beseitigt. Die Lieferung per UPS ging sehr schnell. Binnen zwei Tagen war das Paket schon da. Schon beim Auspacken machte das Objektiv einen tollen Eindruck. Ich fühlte mich an den Moment erinnert, als ich zum ersten mal mein 70-200mm f/2.8 in den Händen hielt. Im Lieferumfang enthalten ist ebenfalls ein Objektivköcher. Der Tubus des 300mm ist komplett aus Metall gefertigt und ist dadurch auch zu einem gewissen Grad vor Wetter- und Umwelteinflüssen geschützt. Es fühlt sich sehr wertig und griffig in der Hand an. Hier merkt man sofort die Qualität der L-Serie von Canon. Kennzeichnend für diese Objektive ist stets der rote Ring am vorderen Ende. Farblich ist es in einem cremigen Weiß gehalten, bei dem der ein oder andere wohl beim Anblick schon denken mag : "Oh, das wird nicht ganz billig gewesen sein" oder "Der ist bestimmt Profifotograf". Sehr schick finde ich das angeschraubte Metallschild, auf dem einige technische Daten sowie das Herkunftsland eingestanzt sind.

Also zog ich mit dem Objektiv los, was ich an meiner Hauptkamera, der Canon 5D Mark III angeschlossen hatte. Wie schon erwähnt werden 300mm vor allem mit Actionfotos in Verbindung gebracht. Also war dies auch das erste, was ich mit dem Objektiv getestet habe.

Nun, was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht.

Auffällig war für mich vor allem der Autofokus. Hier hört man deutlich ein deutliches Tackern und man merkt, dass innerhalb des Objektivs die Elemente bewegt werden. Nichtsdestotrotz verrichtet der Autofokus seine Aufgabe zuverlässig. Der Aussschuss bei Actionfotos war subjektiv nicht mehr und nicht weniger als bei meinem 70-200mm f/2.8. Die Schärfe empfand ich als absolut top! Die Festbrennweiten sind ja bekannt dafür eine bessere Schärfe abzuliefern als Zoomobjektive. Das 70-200mm f/2.8 ist auch super von der Schärfe, aber das 300mm f/4 hat vor allem bei unbewegten Fotos ein klein wenig die Nase vorne. Für Actionfotos ist bei diesem Objektiv allerdings eins von Nöten, nämlich Licht. Der erste Tag , an dem ich damit unterwegs war, war sehr bedeckt. Bei Offenblende f/4 und einer Verschlusszeit von 1/1000s, die man für das Einfrieren der Bewegung bei Hunden braucht, musste ich mit dem ISO Wert bis auf 6000 hochgehen, um ein halbwegs gut belichtetes Foto zu bekommen. Zufriedenstellend war es jedoch für mich jedoch auch nicht. Ein paar Tage später, an einem sonnigen Nachmittag sah die Sache dann schon anders aus!

Aber seht selbst! Der Autofokus verrichtet seine Arbeit durch den verbauten Ultraschallmotor(USM) tadellos und auch zügig. Auffällig ist hier aber ein hörbares Klacken beim Fokussieren. Ich hab diesbezüglich auch etwas im Internet recherchiert und dies wird auch mehrfach beschrieben.

Bei diesem Foto musste ich bei starker Bewölkung und kurzer Verschlusszeit bis auf ISO 6400 hoch.

Ob dies nun der verbaute Bildstabilisator oder der Ultraschallmotor ist, kann ich bis heute nicht mit 100%-iger Sicherheit sagen. Sicher ist auf jeden Fall, dass man hört, dass im Inneren des Objektivs Arbeit verrichtet wird und die Elemente hin und her verschoben werden.

Apropos Bildstabilisator! Ich bemerkte beim Blick durch den Sucher, dass das Bild zwar insgesamt ruhig war aber trotzdem konnte ich es nicht so ruhig halten wie z.B. mein Zoomobjektiv bei 200mm. Um Verwacklungen im Bild zu vermeiden ist der Bildstabi sehr nützlich. Für Verschlusszeiten unter 1/250s braucht man dann schon ein sehr ruhiges Händchen, welches ich aber "noch" nicht habe. Hier nun noch ein paar Beispielfotos:


Neben den Actionfotos von Hunden habe ich mich auch an Porträts ausprobiert. Hierfür braucht man natürlich viel Platz nach hinten. Auf Wiesen alles kein Problem, beim Besuch eines Wildtierparks wurde es da teilweise sehr eng auf den Wegen. Andersrum konnte man eben auch die Tiere, die sich nicht direkt am Zaun tummelten nah heranholen. Wenn man den Platz aber hat, dann kann man mit dem Objektiv sehr scharfe und kontrastreiche Porträts schießen!

Auch das Bokeh war wirklich sehr ansprechend. Ich als Bokehliebhaber, hatte ja diesbezüglich etwas Bedenken, ob das Objektiv mit seiner Offenblende von "nur" f/4 meinen Ansprüchen gerecht werden kann. Nun kann ich dies definitiv mit einem "JA!" beantworten.




Als "zu schwer" hab ich das Objektiv nie empfunden. Für diese Brennweite geht das Gewicht völlig in Ordnung, man könnte es sogar als Leichtgewicht bezeichnen. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber seinem großem Bruder dem EF 300mm f/2.8L IS II USM, welches alleine schon über 2 kg auf die Waage bringt. Ein weiterer Vorteil ist der Preis!

Für das große Schwestermodell muss man nämlich mehr als das 4-fache hinlegen. Auch im Gegensatz zum 70-200mm f/2.8 macht sich das Gewicht positiv bemerkbar. Auch dieses bringt stattliche 1.5 kg auf die Waage. Rein von der Größe nehmen sich die beiden jedoch nicht viel und sollten bequem in einen Fotorucksack passen, auch wenn sie an einer Kamera montiert sind. Bei Umhängetaschen kann es aber mit mehreren Objektiven im Gepäck schon sehr eng werden. Was mir sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache , dass die Gegenlichtblende fest am Objektiv integriert ist. Man arretiert und lockert es durch eine Drehbewegung und kann sie dann jeweils nach vorne bzw. nach hinten schieben. Das Kramen im Rucksack sowie Auf- und Abmontieren der Gegenlichtblende fällt somit unter den Tisch - sehr praktisch!

Zwar hab ich auch versucht in freier Wildbahn ein paar Vögel aus der Nähe zu fotografieren, aber dafür war ich dann wohl doch ein zu großer Trampel und sie ergriffen schneller die Flucht, als ich überhaupt die Kamera oben hatte und durch den Sucher schauen konnte.

Insgesamt lässt sich aber festhalten, dass sich dieses Objektiv definitv für den Einsatz in der Wilflife-Fotografie eignet. Hier kann man sich auch noch einen Extender zunutze machen.

Diese gibt es von Canon mit den Faktoren 1.4x und 2x. Das heißt konkret die 300mm könnte man dann wie 420mm bzw. 600mm wirken lassen. Ähnlich könnte man sich den Cropfaktor von APS-C Kameras zur "Brennweitenverlängerung"nutzen. Dieser beträgt bei Canon 1,6x und somit hätte man effektiv einen Bildwinkel, wie bei 480mm. Dies hab ich persönlich aber nicht ausprobiert. Kurz möchte ich auch auf die Naheinstellgrenze von 150 cm eingehen. Diese soll sich auch für Makrofotografie eignen. Als Vergleich konnte ich hier mein 135mm f/2.0 heranziehen, mit dem ich bereits einige Makroaufnahmen gemacht hatte. Möglich, dass mir hier einfach die Zeit fehlte um das Objektiv in diesem Bereich ausführlicher zu testen, aber die Ergebnisse waren für mich doch etwas ernüchternd.

Zusammenfassend lässt sich nun sagen, dass ich mit dem Objektiv und der gebotenen Leistung sehr zufrieden war. Es ist aber definitiv kein Objektiv, das ich jeden Tag mitnehmen würde. Vom Handling komme ich da mit kürzeren Festbrennweiten besser zurecht. Dies bemerkte ich auch schon vor dem Test, denn so toll das das EF 70-200mm f/2.8L IS II USM auch sein mag, ich benutze es doch fast aussschließlich für Actionfotos. Gut möglich, dass sich dies in der nächsten Zeit ändert, denn ich möchte mich wieder mehr mit Actionfotos auseinandersetzen. Ein Vergleich zwischen dem 300mm f/4 und 300 f/2.8 wäre da auch sicherlich sehr reizvoll. Bei dem 2.8er könnte ich zwar schwach werden, aber hier muss man eben auch den enormen finanziellen Aufwand betrachten .Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit eines Vergleichs zu einem späteren Zeitpunkt. Wenn man mich jetzt aber fragen würde, ob ich mir das EF 300mm f/4L IS USM aktuell auch persönlich für die Hundefotografie zulegen würde, dann würde ich diese Frage wahrscheinlich mit einem "NEIN" beantworten. Ganz einfach aus dem Grund, da ich bereits mit dem 70-200mm gut ausgestattet bin und auch sehr gut zurechtkomme.

Befände sich dieses Objektiv allerdings nicht in meinem Besitz und ich stünde vor der Entscheidung, mir ein Objektiv explizit für Lauf- und Actionfotos von Hunden zuzulegen, würde es nach diesem Test wahrscheinlich mit ganz oben auf meiner Liste stehen.



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